Weil unser Flug von Samoa nach Tonga bereits um 6.45 Uhr war, mussten wir wieder einmal den Wecker stellen. Wir sind an einem Mittwoch abgeflogen und nach einem kurzen Flug von einer Stunde erst am Donnerstag um 7.45 Uhr in Tonga angekommen. Dass wir einen Tag verloren haben, hatte nichts mit dem Blitz zu tun, welcher ins Flugzeug eingeschlagen hatte, sondern die Ueberquerung der internationalen Datumsgrenze. Von Tongatapu, der Hauptinsel von Tonga, gings dann mit einer regionalen Fluggesellschaft weiter in die noerdliche Inselgruppe Vava’u. Wer einmal erleben moechte, wie in den 60er Jahren das Fliegen gewesen sein muss, dem empfehlen wir einen Flug mit dieser Gesellschaft (Cathams Pacific). Beim Check-In gibt es keine Computer und das Ticket wird von Hand geschrieben. Unsere Paesse mussten wir nicht zeigen und es gab keinen Security Check, das war richtig angenehm. Etwas mulmig wurde es uns dann allerdings, als wir das Flugzeug sahen. Dieses sah naemlich wesentlich aelter aus als jenes Modell, welches im Verkehrshaus in Luzern steht. Unsere Recherchen hatten ergeben, dass die alte Blechkiste “Convair 580” im Jahre 1957 gebaut wurde. Dass die Notausgaenge mit Klebeband befestigt waren (vielleicht wurden sie schon oefters benutzt?), fanden wir ziemlich lustig (Galgenhumor?). Nach einem spektakulaeren Start und einem turbulenten Flug waren wir nach 50 Minuten ziemlich froh, wieder Boden unter unseren Fuessen zu haben.
Die naechsten 9 Tage verbrachten wir im kleinen Dorf Talihau in den Lucky’s Beach Houses. Unsere Unterkunft war ein traditionelles tonganisches Fale, welches ausschliesslich aus Holz und Palmenblaettern gebaut wurde. An diesem Ort hat uns insbesondere gefallen, dass wir mit den zur Verfuegung gestellten Kayaks die benachbarten Inseln erkunden konnten, welche zum Teil unbewohnt waren. Einige Male sind wir mit dem ueberfuellten Schulbus in die “Stadt” gefahren, um uns mit Lebensmittel einzudecken, da wir selber kochten. Das absolute Highlight in Vava’u war das Schwimmen mit Buckelwalen. Tonga ist das einzige Land der Welt, wo man die Wale nicht nur beobachten, sondern auch mit ihnen schwimmen kann. Die bis zu 15-Meter langen Saeugetiere ziehen jeweils zwischen Juli und Oktober von den kalten Gewaessern der Antarktis nach Tonga, um dort ihre Jungen zu gebaeren. Wir sind morgens um 9 Uhr mit einem kleinen Boot losgefahren und haben uns zusammen mit unserem Guide und einem Paar aus Deutschland auf die Suche nach den Walen gemacht. Schon bald hatten wir eine Mutterwal mit ihrem Baby gesichtet. Weil die beiden jedoch ziemlich schnell unterwegs waren, konnten wir leider nicht mit ihnen schwimmen. Am Nachmittag haben wir wiederum eine Mutter mit ihrem Baby entdeckt. Die beiden waren wesentlich langsamer unterwegs als ihre Artgenossen am Morgen, und so konnten wir langsam und leise ins Wasser steigen. Wir werden den Moment nie vergessen, als wir die beiden Wale das erste Mal durch unsere Taucherbrille unter Wasser sahen. Sie waren ca. 5 Meter von uns entfernt und riesengross! Insgesamt konnten wir dreimal mit ihnen ins Wasser, das letzte Mal konnten wir ca. 5 Minuten neben ihnen schwimmen. Als die beiden dann einmal kurz mit ihrer Flosse zuckten, waren sie dann leider ziemlich schnell weg. Weil wir von dieser Begegnung total begeistert waren, beschlossen wir, drei Tage spaeter nochmals zu gehen (Budget hin oder her, wir sind wohl nur einmal in Tonga). Beim zweiten Mal mussten wir bis 14 Uhr warten, bis wir ins Wasser konnten. Dieses Mal schwammen wir nicht neben, sondern oberhalb eines maennlichen Wals, welcher am Singen war. Dieser Gesang, welcher bis zu 200 Dezibel laut ist, spuerten wir am ganzen Koerper und bekamen Huehnerhaut. Etwas spaeter schwammen wir dann noch oberhalb eines schlafenden Wals, der ca. 10 Meter unter der Wasseroberflaeche ein bisschen herumhing. Ein weiteres Highlight in Vava’u war an unserem zweitletzten Tag, als wir als Crew an einem Segelrennen teilnehmen konnten. Wir waren einfach zur richtigen Zeit im richtigen Restaurtant, als sich die Skipper vor dem Rennen trafen um die Route zu besprechen. Unsere Segelyacht, die Tortuga, hatte zum Glueck schon eine erfahrene Crew an Board, sodass wir waehrend dem Rennen nicht wirklich viel machen mussten und das Rennen geniessen konnten. Am Schluss erreichten wir sogar den zweiten Platz, was natuerlich anschliessend ausgiebig mit Bier gefeiert werden musste. Was wir sonst noch in Vava’u gemacht haben: Wir haben an einem Kindergeburtstag teilgenommen, sind in die Kirche gegangen, haben den Einheimischen beim Rubgy spielen zugesehen, sind stundenlang in der Haengematte gelegen, haben fuer Maesi verzweifelt einen Tanga gesucht (siehe Gaestebuch), und, und, und..
Als wir in Vava’u am Flughafen ankamen und wieder die alte Blechkiste sahen, fragten wir uns, welche Piloten ein Interesse daran haben mit solch alten Flugzeugen zu fliegen. Unsere Theorie war, dass es zwei Typen von Piloten gibt, die bei Cathams Pacific fliegen:
1) Nostalgiker, welche sich an die guten alten Zeiten erinnern und nichts mit den modernen Flugzeugen mit technischem Schnick-Schnack zu tun haben moechten
2) Piloten, welche aufgrund ihrer Vergangenheit bei keiner anderen Airline der Welt einen Job kriegen
Als wir den Piloten sahen, musterten wir diesen, um herauszufinden, zu welcher Sorte Pilot er gehoert. Als Claudia bemerkte, dass sein Ausweis an einem Halsband vom OKTOBERFEST 2003 befestigt war, wussten wir, dass er zur oben zweitgenannten Sorte von Piloten zaehlte…
Als wir ins Flugzeug einstiegen, fragte uns der Pilot, ob jemand von uns waehrend dem Flug im Cockpit sitzen moechte! Stefan erlebte deshalb in den 20 Minuten zwischen Vava’u und Haapai den besten Flug seines Lebens direkt neben dem OKTOBERFEST-Piloten. Nach dem Start war schnell klar, dass dieser Pilot ein enthusiastischer Walbeobachter ist, und zwar vom Flugzeug aus! Sobald er einen Wal vom Flugzeug aus erkannte (wir hatten eine niedrige Flughoehe), steuerte er die alte Kiste in die entsprechende Richtung…
In Haapai angekommen, gingen wir sogleich mit einem kleinen Boot zur Insel Uoleva. Auf dieser Insel wohnen zwischen 10 und 15 Leute und es gibt keine Elektrizitaet. Auf dieser Insel haben wir unser Suedsee-Paradies gefunden: Kilometerlange, menschenleere Sandstraende, ein Fale direkt am Strand und super Wetter. Vier Tage lang war darum relaxen und Strand geniessen angesagt. Zudem haben wir herausgefunden, wieso Tonga als dickstes Land der Erde gilt: Zum Fruehstueck gabs jeden Morgen 5 Stueck Kuchen…
An unserem letzten Tag in Haapai war das Meer am Morgen ploetzlich sehr komisch. Das Wasser ging zurueck und die Korallen lagen im Trockenen. Als jemand etwas von einem Erdbeben waehrend der Nacht erzaehlte, laueteten bei uns die Alarmglocken! Wir erinnerten uns an die Bilder des Tsunamis 2004 in Asien, als das Wasser vorher ebenfalls zurueckging. Darum wollten wir uns moeglichst weit ins Innere der schmalen und flachen Insel begeben. Der Besitzer unserer Unterkunft hatte zum Glueck ein Funkgeraet und konnte Entwarnung geben, bevor wir uns auf die Flucht begaben. An diesem Tag haette uns ein Boot abholen und uns zum Flughafen bringen sollen, was natuerlich wegen der Tsunamiwarnung nicht moeglich war. Deshalb verpassten wir unseren Flug. Zum Glueck gab es am Abend noch einen zweiten Flug zurueck zur Hauptinsel, zumal am naechsten Morgen unser Flug nach Australien auf dem Programm stand. Wir wollten uns auf unserer Reise zurueck auf die Hauptinsel ueber das Ausmass des Tsunamis informieren, niemand wusste jedoch richtig Bescheid. Erst spaet am Abend hatten wir die Moeglichkeit, ins Internet zu gehen und da haben wir erst erfahren, wie verheerend der Tsunami insbesondere in Samoa war, wo wir z.T. in Unterkuenften uebernachteten, die komplett weggespuelt wurden und wo Leute ihr Leben verloren haben. Wir waren darum ziemlich geschockt und sind jetzt sehr froh, gesund und sicher in Adelaide zu sein.