Am 24. Dezember landeten wir in Christchurch, der groessten Stadt der neuseelaendischen Suedinsel. Unser Freund Mark, welchen wir in Tonga kennenlernten, holte uns am Flughafen ab und zeigte uns seine Stadt. Dass die Neuseelaender sich vor nichts fuerchten, bewies er uns, indem er sich kurzerhand auf das Tramgleis legte. Anschliessend genossen wir bei angenehmen 25 Grad ein kuehles Bier. Dass es Weihnachten war, wollte irgendwie nicht in unsere Koepfe gehen. Am Abend stiess dann Anna zu uns und wir genossen zusammen ein feines Heiligabend-Essen in einem mexikanischen Restaurant und spazierten anschliessend dem schoenen Strand entlang. Die Neuseelaender feiern Weihnachten am 25. Dezember. Wir wurden von Anna`s Eltern zu ihrem Weihnachtsfest eingeladen. Nach dem morgendlichen Besuch in der Kirche gings zu derem wunderschoenen Landhaus mit einem Garten, auf dem locker zwei Fussballfelder Platz haetten. Weil Petrus sich an Weihnachten von der besten Seite praesentierte, stand der Nachmittag ganz im Zeichen von Sport und Spiel. Ging es beim Mittagessen noch gemuetlich zu und her, wurde bei Rugby, Cricket, Boules oder Fussball um jeden Zentimeter gekaempft, wohlgemerkt in T-Shirt und kurzen Hosen.
Am Stephanstag machten Anna und Mark mit uns einen Ausflug nach Aoreka, einem franzoesich angehauchtem Staedtchen an der Kueste. Dort wollte sich Claudia einen lang ersehnten Kinderwunsch erfuellen, naemlich mit Delfinen zu schwimmen. So gings mit einem Boot in die Bucht und schon bald kreisten Dutzende von Hectordelfinen, die kleinsten Delfine der Welt, ums Boot. Claudia durfte als Erste ins Wasser und die kleinen Flipper schwammen alle auf sie zu und waren neugierig, wer da mit ihnen spielen wollte. Insgesamt konnten wir 45 Minuten im Wasser sein und waren die ganze Zeit von Delfinen umgeben, das war ein wunderbares Erlebnis.
Am naechsten Tag nahmen wir dann unseren Campervan entgegen, welcher im Vergleich zu unserem Auto in Australien einiges groesser war und dementsprechend mehr Komfort bot. Unser Ziel war die ganze Suedinsel zu umrunden, wofuer wir 26 Tage Zeit hatten. Nachdem wir den Kuehlschrank und die Vorratskammer gefuellt hatten, brachen wir Richtung Norden auf. Schon bald entdeckten wir auf unserer Fahrt der Kueste entlang Seeloewen, die sich auf den Felsen von der Jagd erholten. Als wir die Marlborough-Weinregion erreichten, durfte ein Stop auf einem Weingut natuerlich nicht fehlen. Weiter gings an die Nordkueste, zu den Marlborough Sounds, welche uns mit ihrer Schoenheit irgendwie an den Vierwaldstaedtersee erinnerten. Dort unternahmen wir dann unsere erste Wanderung und weil dies uns so gut gefiel, sollten noch viele folgen...
An Silvester erreichten wir den Abel Tasman National Park, welcher mit saftig gruenen Huegeln, goldenen Sandstraenden und kristallklarem Wasser aufwartet. Wir nahmen ein Taxiboot und liessen uns mitten im National Park absetzen, um zu Fuss wieder zum Eingang des Parks zurueckzulaufen. Fuer die 23 Kilometer benoetigten wir ueber 7 Stunden, sodass wir am Abend derart muede waren, dass wir uns bereits um 22 Uhr in die Federn legten und den Jahreswechsel sprichwoertlich verschliefen! Am Neujahrstag nahmen wir die Strecke an die raue und kaum bewohnte Westkueste unter die Raeder. Dort entdeckten wir einen superschoenen Strand mit Wasserfaellen und vom Wasser ausgewaschenen Hoehlen. Zudem bewunderten wir die Pancake Rocks, wo die Klippen wie aufeinander geschichtete Pfannkuchen aussehen.
Schliesslich erreichten wir den Franz Josef Gletscher, welcher nur wenige Kilometer von der Kueste entfernt liegt. Gerne haetten wir eine gefuehrte Gletscherwanderung unternommen, aber es goss waehrend 2 Tagen wie aus Kuebeln, was in der regenreichsten Region von Neuseeland keine Seltenheit ist. So liessen wir auch den benachbarten Fox Gletscher links liegen und fuhren ueber den Haast Pass ins Landesinnerne in die Region der grossen Seen. In Wanaka besuchten wir ein lustiges Museum, in welchem das weltgroesste Labyrinth steht sowie das alle Sinne verwirrende House of Illusions. Als naechstes steuerten wir Queenstown an, der selbsternannten Adrenalin-Welthauptstadt. Hier steht die erste komerziell betriebene Bungy-Jumping Staette und es wird jede denkbare Abenteuer-Sportart angeboten. Da im Januar Hochsaison ist, war Queenstown voellig ueberlaufen. Weil uns die vielen Leute, die langen Schlangen vor den Info-Zentren und das Wetter ueberhaupt nicht zusagten und wir ausserdem bereits reichlich Abenteuer auf der Nordinsel erlebten, entschlossen wir uns, der Menge und den vielen Angeboten fern zu bleiben. Unser Alternativprogramm "Wandern im Mt. Aspiring National Park" fiel ebenfalls ins Wasser. Deshalb machten wir uns bereits am naechsten auf ins Fjordland und verliessen die Abenteuermetropole mit nur 5 Franken (Kaffee und Tee) weniger in unseren Taschen! In Te Anau dehnten wir unser Abendritual (Apero, Spiele, Lesen, Kochen, Essen und Film schauen) auf den ganzen Tag aus, weil das Wetter weiterhin unausstehlich war. Am zweiten Tag, wir haben unseren Augen kaum getraut, zeigte sich die Sonne! Wir haben uns sofort aufgemacht und sind die eindrueckliche Strasse durch das Fjordland zum weltbekannten Milford Sound gefahren. Von hier aus sind wir anschliessend mit dem Schiff durch die Milford Meerenge (eine der insgesamt 14 Meerengen des Fiordland-Nationalparks) gefahren und sind nicht mehr aus dem Staunen herausgekommen. Kein Wunder gehoert der Park seit 1990 zum Weltnaturerbe der Unesco. (Kommentar zum Foto: Der Kapitaen ist ziemlich nahe an einen Wasserfall gefahren, damit die Kinder und natuerlich Stefan ihren Spass haben konnten...) Wir waeren zu gerne noch laenger geblieben, doch das Wetter schickte uns wieder einmal weiter. Unsere naechste Destination war Bluff, rund 4800 km vom Suedpol entfernt und somit die suedlichste Ortschaft auf der Suedinsel Neuseelands. Durch den Catlins Forest Park, welcher fuer seine unangetastete Landschaft und vor allem fuer Tierbeobachtungen bekannt ist, fuhren wir ziemlich direkt nach Dunedin. Claudia war dem Wetter diesmal nicht boese, denn sie konnte es kaum erwarten, in Dunedin die Schokoladenfabrik Cadburry zu besichtigen oder besser gesagt, die Schokolade zu kosten. Wir schlugen ziemlich zu, auch wenn die neuseelaendische Schoggi niemals an eine Lindt-Schokolade herankommt. Dunedin war der Ausgangspunkt fuer die Otago Peninsula, wo wir die majestaetischen Koenigs-Albatrosse beim Fliegen beobachteten. Die seltenen Gelbaugenpinguine zeigten sich leider erst, als wir schon auf dem Rueckweg waren. Wir versuchten deshalb unser Glueck in Oamaru noch einmal. Und siehe da, wir konnten von Weitem 2 Pinguine beobachten, welche aus dem Wasser kamen. Als naechstes stand der Mount Cook, mit 3748 m der hoechste Berg in Neuseeland, auf dem Programm. Auf dem Weg dorthin ersteigerten wir uns noch einen frischen Lachs. Der Mount Cook bildet das Zentrum des Mount Cook National Park, welcher mehr als 140 Berge ueber 2000 m umfasst und zudem zu 40 % vergletschert ist. Sogar bei etwas Nebel ist dies ein spektakulaerer Ausblick. Stefan, der 5 Minuten zu einem Aussichtspunkt gelaufen ist, wurde sogar noch mit einem Blick auf den Mount Cook belohnt. Claudia ist in dieser Zeit eine Stunde zu einem scheinbar besseren Aussichtspunkt gewandert, hat das Nebelloch dann jedoch verpasst! Manchmal wird Faulheit halt belohnt...
Der letzte Halt vor Christchurch war Lake Tekapo. Viele Touristen machen hier einen Stop, um die historische Kapelle mit dem Mount Cook im Hintergrund zu fotografieren. Bei uns war dieser leider vom Nebel verschlungen.
Nun geniessen wir unseren letzten Tag in Neuseeland in Christchurch, bevors morgen nach Melbourne zu den Australian Open geht (achtet euch im TV auf 2 Gestalten mit komischen Peruecken...).
Als Fazit zu Neuseeland koennen wir sagen, dass all unsere Erwartungen uebertroffen wurden. Den Naturliebenden offenbart sich dieses Land als Paradies, welches man auf eigene Faust wunderbar bereisen kann.