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Australien Teil 2

Am 1. Oktober flogen wir vom heissen Alice Springs ins tropisch feuchte Cairns im Nordosten Australiens. Dort wohnten wir fuer drei Tage in einem Backpackers (Jugendherberge). Unter all den 18-20 jaehrigen Rucksacktouristen, von denen uebrigens mindestens 2/3 aus Deutschland stammten, fuehlten wir uns fuer einmal richtig alt… Cairns selber hat uns nicht ausserordentlich gut gefallen, zumal die Stadt sehr touristisch ist und vor allem aus Reisebueros, Internet-Cafes, Fast Food Ketten und etlichen Einrichtungen fuer Nachtschwaermer besteht. Darum waren wir froh, am vierten Tag den kleinen Camper, unser Zuhause fuer die naechsten 5 Wochen, in Empfang zu nehmen und weiterzureisen. Obwohl wir unseren Camper in Sydney abgeben werden, gingen wir zunaechst weiter Richtung Norden in die Daintree-Region, welche den aeltesten Regenwald der Welt beheimatet. Dort hat es uns sehr gut gefallen, wir unternahmen mehrere Wanderungen durch den Regenwald, machten eine Flussfahrt um die gefaehrlichen Salzwasserkrokodile zu beobachten (leider haben wir keine gesehen…) und genossen die Aussicht am Cape Tribulation, wo der Regenwald in einen wunderschoenen Strand uebergeht. Das Highlight war jedoch ein dreistuendiger Nachtspaziergang, bei welchem wir uns mit einer Lampe bewaffnet durch das Dickicht des Regenwalds kaempften und Ausschau nach Schlangen, Spinnen, Froeschen und andern Tieren hielten oder uns mit Hilfe einer Liane wie Tarzan fortbewegten.

Einer der Gruende, weshalb wir die Ostkueste Australiens bereisen, ist das Tauchen am Great Barrier Reef. Das weltgroesste Korallenriff mit einer Gesamtflaeche von ueber einer Viertelmillion Quadratkilometern wird auch als achtes Weltwunder bezeichnet. Weil das Riff in der Region um Cairns durch den Massentourismus schon ziemlich stark in Mitleidenschaft gezogen wurde, beschlossen wir, weiter noerdlich in Port Douglas tauchen zu gehen. Als wir dann dort die Preise fuers Tauchen gesehen haben, waren wir ziemlich geschockt. Ein Tagesausflug mit drei Tauchgaengen kostet 300 Dollar pro Person! In Thailand haben wir fuer unseren Tauchschein (4 Tage) etwa gleichviel bezahlt. Weil wir wohl nur einmal hier sind, haben wir den Preis noch auf 250 $ pro Person runtergehandelt und zaehneknirrschend bezahlt. Das Schiff, die Tauchausruestung sowie das Essen an Board waren wirklich sehr gut, von Tauchgaengen waren wir jedoch etwas enttauscht. Zwar hatten wir einen Rochen (blue spotted stingray), einige Clownfische (Nemo) sowie einen kleinen Hai (White tip reef shark) gesehen, die Korallen waren jedoch groesstenteils tot oder in einem sehr schlechten Zustand. Die grossen Boote mit taeglich hunderten von Schnorcheltouristen, welche unabsichtlich Korallen durch Abbrechen oder Zetreten beschaedigen, haben sichtlich ihre Spuren hinterlassen. Um zu den wirklich genialen Tauchspots des Great Barrier Reef zu gelangen, muesste man eine drei- bis viertaegige Tauchexkursion machen, welche jedoch mindestens 1500 Dollar pro Person kostet…

Von Port Douglas gings dann weiter durch die Atherton Tablelands, im Landesinnere gelegene Tafelberge, Richtung Sueden. Weil die meisten Touristen der Kueste entlang nach Sueden fahren, geht es in dieser landschaftlich sehr interessanten und abwechslungsreichen Region ziemlich gemaechlich zu und her. Unsere Lebensmittelvorraete haben wir bei Besuchen einer Kaeserei, einer Schokoladefabrik, einer Teeplantage sowie einem Produzenten von Mangowein aufgestockt. Nach drei Tagen im Landesinneren gings dann wieder zurueck an die Kueste nach Mission Beach.

Wir suchten uns einen schoenen Camping Platz direkt am Strand, um ein wenig die Seele baumeln zu lassen. Am Morgen mussten wir feststellen, dass unsere Lebensmittel wie bspw. der teure Raclette-Kaese, die frischen Organic-Yogurts, die exklusiven Pralines, das Fleisch, das Gemuese, Milch, etc., welche wir im Hinterland ersteigert haben, aus dem Kuehlschrank der Campkitchen gestohlen wurden. Nachdem Claudia auch noch mit der Resortmanagerin, welche vom Ereignis ueberhaupt nicht ueberrascht war (es ist in letzter Zeit schon oefters passiert), in die Haare geriet, gings schnurstracks weiter nach Townsville, wo wir tagsueber ein grosses und sehr lehrreiches Aquarium besuchten und am Abend die verschiedenen Biere der stadteigenen Brauerei ausprobierten. In Townsville haben wir zudem einen dreitaegigen Segel- und Tauchtrip in den Whitsunday Inseln gebucht. Die Dame im Reisebuero hat uns versichert, dass das Wetter gut sein werde, zumal wir ansonsten noch einige Tage gewartet haetten. Als wir dann einen Tag spaeter das Boot “Kiana” bestiegen, goss es wie aus Kuebeln. Um es vorweg zu nehmen: Es hat drei Tage lang ununterbrochen geregnet…Kiana war ein wunderschoenes kleines Segelboot mit 14 Gaesten und 3 Crewmitgliedern. Am ersten Tag gings an den beruehmten Whitehaven Beach, einen Strand mit unglaublich feinem und weissem Sand. Am zweiten Tag stand dann am Morgen ein Tauchgang auf dem Programm, welcher uns besser gefiel als die drei Tauchgaenge in Port Douglas zusammen und dazu im Trip inbegriffen war. Am Nachmittag war geplant, ins Outer Reef zu segeln, um dort zu tauchen und zu uebernachten. Es soll dort von Haien, Rochen und Schildkroeten nur so wimmeln. Nach der Haelfte der Distanz mussten wir jedoch wieder umkehren, denn die Wellen waren ziemlich hoch und eine deutsche Touristin hatte rund zwei Stunden lang die Fische “gefuettert”. So uebernachteten wir im seichten Wasser vor einer der 74 Inseln der Whitsundays und stellten uns im Dauerregen einen schoenen Sonnenuntergang vor. Auch trotz der miesen Bedingungen hatten wir eine schoene Zeit an Board der Kiana, es hat uns jedoch schon gefuxt, es nicht ins Outer Reef geschafft zu haben. Die Frau im Reisebuero kann sich gluecklich schaetzen, dass Townsville 300 km von Airlie Beach entfernt ist, Stefan haette ansonsten mindestens eine 2-Minuten Strafe wegen Reklamierens erhalten…

Das naechste Abenteuer war ein dreitaegiger 4WD- Trip auf Fraser Island, der groessten Sandinsel der Welt. Wir hatten uns fuer die guenstigste Variante entschieden, eine von einem Backpackers organisierte Selfdrive-tour, bei welcher 8-11 Leute zusammengewuerfelt werden und drei Tage lang zusamen in einem Allrad-Jeep die Insel erkunden und campen. Dieses Mal hatten wir Glueck, denn das Wetter war herrlich und wir waren in unserem Jeep nur 6 Leute, weil 2 Personen kurzfristig abgesagt hatten.  Neben zwei sympathischen Schottinen mitte 30 waren zwei 19-jaehrigen Deutsche in unserer Gruppe, deren Ziel es ist, mit ihrem Geld moeglichst lange in Australien zu bleiben. Die beiden sind per Anhalter unterwegs, schlafen in einem kleinen Zelt in Vorgaerten von fremden Leuten und ernaehren sich von Bohnen aus der Dose (Wochenbudget: 30 Franken)… Auf der Insel herumzufahren war ein ziemliches Abenteuer, zumal wir nicht den Touristentrack sondern eine andere Route gewaehlt haben, denn saemtliche “Strassen” waren Sandpisten. So blieben wir mehrere Male stecken und mussten den Karren aus dem sehr tiefen Sand stossen. Highlight von Fraser Island war Lake McKenzie, ein traumhafter See mit glasklarem Wasser. Nach zwei Naechten im Zelt und ohne WC/Dusche waren wir froh, in unseren Camper zurueckzukehren und uns nicht um die “Kinder” kuemmern zu muessen.

Unsere Reise geht nun der Kueste entlang weiter nach Brisbane, Byron Bay… bis nach Sydney…