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Australien Teil 1

Nach einem strengen Reisetag mit 3 Fluegen sind wir am Abend in Adelaide von Jane am Flughafen abeholt worden. Jane hat 2003 ein Austauschjahr in der Nidwalden gemacht und dabei 4 Monate bei Claudia`s Familie gewohnt. Nachdem wir in Samoa und Tonga in sehr einfachen Verhaeltnissen gelebt hatten, genossen wir bei Jane`s Familie die Annehmlichkeiten der zivilisierten Welt, naemlich ein richtiges Bett, eine Dusche mit warmem Wasser, eine funktionierende Toilette sowie Internet und TV. Insbesondere Stefan hatte Freude an Fox Sports, wo 24 Stunden Sport aus aller Welt zu sehen war. Jane war waehrend unseren 4 Tagen in Adelaide eine perfekte Reisefuehrerin. An dieser Stelle nochmals ein herzliches Dankeschoen an Jane und ihrer Familie. Am ersten Tag hat sie uns die Stadt gezeigt. Zu unserem Erstaunen sahen wir Pelikane in der Stadt. Stefan ueber deren Anblick derart erfreut, als dass er den Pelikan gleich umarmen wollte. Leider mochte der Pelikan keine Schweizer Touristen und ging zum Gegenangriff ueber. Claudia hatte dabei genau im richtigen Moment abgedrueckt und den voelkerverbindenden Annaeherungsversuch festgehalten.

Der naechste Tag war ganz nach Claudia`s Gusto, denn am Morgen gings ins McLaren Vale, wo unzaehlige Vineries zum Winetasting einladen. Jane heuerte gar ihren Freund Adam als Fahrer an. Am Nachmittag gings dann zu einem Wildlife Park, wo wir unsere erste Bekanntschaft mit Kangaroos, Koalas, Emus etc. machten. Komischerweise machte Stefan einen riesigen Bogen um die Pelikane und bevorzugte 100 Meter-Rennen mit den Kangaroos oder faulenzte mit ihnen. Wer das Rennen gewonnen hat, koennt ihr in der Rubrik "Stefan und die Tiere" anschauen. Es lag wohl am Alkohol, dass sich Claudia wagte, sich mit einer Schlange um den Hals abgelichtet zu werden…Am Sonntag gingen wir am Abend ein Indoor-Cricket Spiel von Janes Freund Adam schauen. Weil sein Team einen Spieler zu wenig hatte, kam Stefan unverhofft zu seinem Debut als Cricket-Spieler.

 

Am Montag nahmen wir dann gespannt unseren 4WD Jeep, einen Toyota Landcruiser, mit ueber 480`000 km entgegen und machten uns sogleich auf nach Kangaroo Island (KI), eine suedlich von Adelaide gelegene Insel mit einer sehr vielfaeltigen Flora und Fauna. Die erste Nacht im Zelt auf dem Dach unseres Autos loeste bei uns nicht gerade Begeisterungsstuerme aus, denn es war 0 Grad kalt und wir hatten nur Sommerschlafsaecke dabei…

Kangaroo Island hat uns ansonsten sehr gut gefallen. Highlights waren die Seal Bay mit den vielen wilden Seeloewen, die Sandsteinhoehlen, die Remarkable Rocks, der Admiral Arch, die Leuchttuerme, eine Honig- und Lavendelfarm sowie die Koalas, welche wir in den Eukalyptusbaeumen entdeckten. Nach drei Tagen und zwei arschkalten Naechten gingen wir dann wieder zurueck nach Adelaide, wo wir nochmals bei Jane uebernachteten und das warme Bett genossen. Unser naechstes Ziel war das Barossa Valley, die in Europa wohl bekannteste Weinregion Australiens. Am besten gefiel uns die Vinery von Peter Lehmann, wo wir den sonnigen Nachmittag mit feinem Shiraz und einem Zvieri-Plaettli im Garten zwischen den Weinreben verbrachten. Claudia haette wohl eine Woche hier verbringen koennen, Stefan konnte es hingegen kaum erwarten, ins abenteuerliche Outback aufzubrechen. Bevors jedoch ins “richtige”  Outback ging, durchquerten wir den Flinders Ranges Nationalpark, wo wir die ersten schoenen Sonnenunter- und aufgaenge (nur Claudia) genossen. Um nicht den gewoehnlichen Touristen-Trampelpfaden zu folgen, fuhren wir waehrend zwei Tagen auf einer rauen 4WD-Piste durch den Nationalpark und mussten dabei einige trockene Flussbeete durchqueren. In dieser Zeit hatten wir zwar Emus, Kangaroos und andere Tiere, jedoch keine anderen Menschen gesehen. Zum Abschluss unseres Aufenthaltes im Nationalpark besuchten wir eine Sternwarte, wo wir u.a. das Kreuz des Suedens sowie Jupiter durch ein riesiges Teleskop bewunderten.

Vor dem Verlassen der Zivilisation fuellten wir die Tanks (145 L Diesel), Wasserkanister und Vorratskisten auf und checkten unser Auto. Waehrend drei Tagen war der sandige und holprige Weg des Oodanadatta Tracks unser Ziel. Frueher fuehrte die Eisenbahnlinie zwischen Adelaide und Alice Springs diesem Track entlang. Die Ueberreste dieser Bahnlinie eigneten sich perfekt zum Feuer machen (Querbalken) und zum Grillieren (Wuerstli auf Gleis). Nach einigen hundert Kilometern erreichten wir William Creek, wo sich in the middle of nowhere das wohl beruehmteste Roadhouse Australiens befindet, welches mit Fotos, BHs, Schuhe, Unterhosen etc. von Reisenden eingekleidet wurde. Wir haben an der Decke sogar eine alte 20 Franken-Noten sowie ein Ticket fuer ein SCB Spiel entdeckt. Was uns ebenfalls ziemlich beeindruckt hat, war der “dog fence”, ein 9600 km langer Zaun, welcher die wilden Hunde von South Australia fernhaelt.

Nach weiteren geschaetzten 500 – 600 km “Dreckstrasse” erreichten wir den Stuart Highway, eine langweilige, geteerte Strasse, welche Sued- und Nordaustralien miteinander verbindet. Allmaehlich naeherten wir uns dem Ayers Rock, dem Wahrzeichen von Australien. Hatten wir in den vorherigen Tage die Einsamkeit und die unendliche Weite des Outbacks genossen, waren wir ploetzlich mittendrin im Massentourismus, was sich u.a. im voellig ueberteuerten Camping-Platz und “Alles-fotografierenden” Asiaten aeusserte. Den Ayers Rock haben wir dann natuerlich auch besucht. Man koennte meinen, dieser Brocken sei vom Himmel gefallen. Am besten hat uns der Sonnenuntergang gefallen, als “the rock” immer roeter und roeter wurde, wunderschoen! Gestoert hat uns die Tatsache, dass viele Touristen den Ayers Rock bestiegen haben, obwohl die Aboriginals deutlich darauf hinweisen, dass der Berg ihr Heiligtum ist und sie nicht wollen, dass Leute hinaufklettern. Zudem war der Kletterweg an diesem Tag aufgrund starker Winde vom Nationalpark als geschlossen erklaert worden, was jedoch einfach ignoriert wurde, unglaublich! Die nahe gelegenen Olgas haben uns sogar noch besser gefallen als der Ayers Rock, zumal dort eine schoene dreistuendige Wanderung durch diese Felsformationen fuehrte und es deutlich weniger Touristen hatte. Weiter gings dann zum Kings Canyon, dem “Grand Canyon Australiens”. Wiederum unternahmen wir eine spektakulaere, dreistuendige Wanderung auf den Klippen des Canyons. Dabei konnte man so nahe zum Abgrund gehen wie einem wohl war. Wir trauten unseren Augen nicht, als sich einige Touris bis wenige Zentimeter vor die Klippe begaben. Ein kraeftiger Windstoss haette da wohl schon gereicht …

Unser naechstes Ziel war das Palm Valley. Vor Zehntausenden von Jahren herrschte in ganz Australien tropisches Klima. Im Palm Valley haben Palmen den Wandel zur trockenen Wueste ueberlebt, was fuer ein ungewoehnliches Bild! Als wir auf dem Weg zu den Bergformationen der westlichen Mac Donnell Ranges waren, kamen wir in “the middle of nowhere” zu unerwartetem Abenteuer (fuer Stefan!). Ploetzlich machte unser Auto keinen Wank mehr, eine Rauchwolke stieg aus der Motorhaube und das Kuehlwasser kochte. Der Motor hatte sich ueberhitzt, die Anzeige im Cockpit war jedoch normal, was uns sehr komisch stimmte. Zum Glueck kam per Zufall wenig spaeter ein Automechaniker vorbei und fand das ganze auch “very strange”. Er stellte fest, dass wir Kuehlwasser verlieren und fuellte es wieder auf, sodass wir es bis nach Alice Springs in die Garage schafften. Somit waren wir 4 Tage frueher als geplant in Alice Springs angekommen, hatten aber zum Glueck die interessantesten Orte bereits besucht. Unser Autovermieter Rolf hat uns dann kurzfristig fuer die erste Nacht eine Unterkunft bei seinem Freund Kari aus Schwyz organisiert. Kari und seine Frau Sandy haben uns sehr herzlich bei sich aufgenommen und uns am naechsten Morgen offeriert, fuer die naechsten drei Tage bei ihnen zu bleiben. Kari ist Maurer und hat vor einem Jahr ein zweistoeckiges Haus zu bauen begonnen. Somit konnten wir ihnen etwas zurueckgeben, indem Stefan waehrend zwei Tagen fleissig eine Steinmauer baute und Claudia im Haushalt anpackte und u.a. feine Aelplermagronen kochte. Herzlichen Dank an die Familie Marty fuer eure spontane Gastfreundschaft. Wir hoffen, ihr habt die Aelplermagronen genossen! :-) Am Montag bezogen wir dann das bereits in der Schweiz gebuchte Hotelzimmer und liessen das Abenteuer Outback mit einem Schluck Rotwein im Whirlpool ausklingen.